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“Work-Life-Balance” – 10 persönliche Maßnahmen für ein ausgeglichenes Leben.

Um es gleich zu Anfang zu sagen: ich persönlich mag den Kunstbegriff „Work-Life-Balance“ nicht, aus vielerlei Gründen. Nicht nur für uns Unternehmer, sondern auch für viele unserer Mitarbeiter ist die Arbeit ein erfüllender Bestandteil unseres Lebens, der uns natürlich auch nach „Feierabend“ nicht loslässt.

Ich halte zudem nichts von theoretischen Lebensanteils-Konstrukten und Ratschlägen, die zwar gut klingen mögen, in der Praxis aber nicht zu verwirklichen sind und jegliche individuellen Ansätze außer Acht lassen. Die Menschen sind nun mal verschieden, und so sind es auch ihre persönlichen Präferenzen, Gefühlslagen und Vorstellungen von Zufriedenheit.

Deswegen möchte ich Ihnen meine 10 persönlichen Maßnahmen vorstellen, wie ich mich von all diesem Unfug befreit habe und ein zufriedenes, ausgeglichenes Leben führe – ohne noch groß über „Work-Life-Balance“ nachdenken zu müssen. Die Reihenfolge stellt keine Priorität dar. Vielleicht ist ja die eine oder andere Anregung für Sie dabei.
TAB Work-Life-Balance 1

1. Der Blick für die Big-Points
Ich mache immer das Wichtigste zuerst, auch wenn es zeitlich den größten Aufwand erfordert. Kleinigkeiten können dann mal hinten runterfallen. Das macht aber in der Regel überhaupt nichts, denn nur die Big-Points entscheiden im Geschäft. Das habe in nunmehr fast 30 Berufsjahren gelernt.

2. Eigene Motivatoren ausleben
Was treibt mich wirklich an? Habe ich mein Unternehmerleben so strukturiert, dass ich meine inneren Motivatoren befriedigen kann? Das ist ein ungemein wichtiger Schritt zur persönlichen Zufriedenheit. Ich habe meine Motivatoren in einem DISG-Test erkannt bzw. bestätigt bekommen. Sehr zu empfehlen.

3. Die Arbeit lieben
Wenn ich morgens aufstehe, freue ich mich auf den Tag und die Aufgaben, die vor mir liegen. Die Arbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens (aber nicht alles) und muss deshalb zwingend Spaß machen anstatt Frust zu verursachen. Wäre das irgendwann nicht der Fall, würde ich (als Angestellter) sofort damit aufhören und mir etwas anderes suchen oder (als Unternehmer) meinen Laden zumachen.

4. Spaß durch Abschalten
Bin ich permanent online, leide ich entweder unter einer Profilneurose oder ich will es so, warum auch immer. Das muss jeder für sich entscheiden, darf sich aber dann nicht beklagen. Ich habe kein schlechtes Gewissen, nach einer bestimmten Uhrzeit am Abend oder am Wochenende telefonisch nicht erreichbar zu sein oder keine E-Mails zu beantworten. Im Gegenteil – der Aus-Knopf ist eine wundervolle Erfindung, glauben Sie mir.

5. Mut zum “Nein” sagen
„Ja“ zu sagen und eigentlich „Nein“ zu meinen kann sehr schnell Frust verursachen. Vielleicht haben Sie das auch schon mal so erlebt. Mir ging es früher öfter mal so. Bis ich erkannte, dass im Grunde nur einer über mein Privatleben und meine Freizeit verfügen darf: ich selbst! Kompromisse gibt es hier für mich nicht mehr.

6. Raus aus der Opfer-Ecke
Mal ehrlich: jeder von uns hat doch schon mal jemand anderem oder „unglücklichen Umständen“ die Schuld gegeben, wenn etwas schiefgelaufen ist. Ein bequemer, aber gefährlicher Weg. Gebe ich jemandem die Schuld, gebe ich ihm damit auch Macht – über mich und mein Schicksal. Ich persönlich will das nicht. Deswegen übernehme ich für alles immer die volle Verantwortung. Ein unglaublich befreiender Akt.

7. Auf innere Signale hören
Unser Körper und Geist teilen uns mit, wann sie überfordert sind und eine „Auszeit“ brauchen. Ich habe das früher oft missachtet, sehr zu meinem Nachteil. Heute gebe ich diesen Signalen nach, egal was ansteht, und lade meine Akkus wieder auf. Mit einem signifikanten Zuwachs an körperlicher und geistiger Frische. Probieren Sie es aus, es funktioniert.

8. Einfach mal was liegen lassen
Ich quäle mich nicht mehr nachts um halb eins oder am Wochenende noch zu irgendeinem Ergebnis in irgendeinem Projekt. Wenn ich das müsste, hätte ich im Vorfeld etwas falsch organisiert oder eingeschätzt. Da ich die Big-Points eh gemacht habe (s.o.), kann ich solche Kleinigkeiten am nächsten Tag effektiver und schneller erledigen.

9. Rituale schaffen – und einhalten
Menschen brauchen Rituale, das ist aus der Verhaltensforschung bekannt. Ich habe mir auch solche Rituale geschaffen, die unumstößlich sind. Hierzu gehört zum Beispiel mein FPZ-Rücken-Training in der Weststadt Reha, jeden Freitag um 16 Uhr. Früher undenkbar, so früh Feierabend zu machen, heute ein wichtiger Bestandteil meiner Woche. Kein anderer Termin kann so dringend sein, dies abzusagen. Und der Witz dabei: es funktioniert! Noch nicht eine wichtige Sache ist dadurch liegen geblieben und meine Lebensqualität hat sich spürbar verbessert.

10. Das Recht auf Selbstbestimmung
Wer es allen recht machen will, erreicht am Ende gar nichts. Ich kümmere mich – in den meisten Bereichen – schon lange nicht mehr darum, was andere sagen. Ich mache in meiner Freizeit das, was ich will. Selbst wenn das mal einen ganzen Sonntag lang gar nichts ist. „Was, zwei Wochen lang nur faul am Strand liegen – wie kannst Du denn das machen?“ – Ganz einfach: ich mache es, weil ich das so will. Und weil es deswegen gut für mich ist.

Autor: Thomas Grutzeck

4 Kommentare

  1. Thorsten Windus-Dörr

    16/10/2014 @ 09:20

    Finde ich eine gute Auflistung. Punkt 1 und 5 finde ich ganz wichtig. Meine ganz persönliche Beobachtung ist, dass viele Menschen überhaupt Schwierigkeiten haben, das wirklich Wichtige zu erkennen. Sie halten alles für gleich wichtig und verzetteln sich deshalb. Naja, und “Nein” sagen, da haben viele Probleme mit. Ich habe das übrigens in jahrelanger ehrenamtlicher Tätigkeit gelernt. Sonst geht man unter.
    Und zu Punkt 10 hier mein “Programm” vom letzten Sonntag: Im Garten FAS lesen, Nickerchen machen, Steuererklärung 2013, Kochen, Tatort gucken.

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    • Vielen Dank für Ihr Feedback. Die angesprochene Verzettelung ist für viele in der Tat ein großes Problem, hängt sehr stark mit Punkt 5 zusammen. Ich habe für mich persönlich, um hier Abhilfe zu schaffen, vor vielen Jahren ein ganz einfaches “inneres Schubladen-System” entwickelt, mit folgenden Aufschriften: Oberste Schublade: “Big Point – sofort erledigen / angehen”. Mittlere Schublade: “Wichtig – Wiedervorlage innerhalb der nächsten drei Tage”. Untere Schublade: “Unwichtig – sofort aus dem Kopf nehmen”. Funktioniert ganz gut bisher ;-)

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      • Christian Bödecker

        22/02/2015 @ 13:08

        Schubladen, auch “innere”, egal ob sie oben oder unten sind, vermüllen so wahnsinnig schnell, wenn man sie nicht mindestens monatlich einmal leert oder neu ordnet.

        Der Anspruch an die Arbeitsquantität, die Arbeitsqualtität und zu allem Überfluss auch noch die Dokumentation steigen ständig. Wen wundert es, das wir alle, die im (Arbeits- und Ehrenamt) -Leben stehen, das gleiche Problem haben!

        Die 10 Punkte sind sicher eine gute Hilfe und tägliche Erinnerung (insbesondere Punkt 5); ich werde sie ausdrucken und in mein Büro hängen.

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        • Thomas Grutzeck

          24/02/2015 @ 09:50

          Hallo Herr Bödecker, vielen Dank – das regelmäßige Ausleeren und Neuordnen der Schubladen ist ein sehr guter Tipp und absolut richtig! Ich werde das demnächst noch einmal detailliert aufgreifen.

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