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Wie funktioniert eigentlich ein Barcamp?

Neue Veranstaltungsformate wie “Barcamp” oder “World Café” machen die Runde. Was steckt hinter diesen Begriffen? Welchen Nutzen verspricht ein Barcamp im Vergleich zu einer herkömmlichen Veranstaltung?

Die Anlässe sind unterschiedlich: sei es Vertriebstagung, eine Fachkonferenz oder eine Betriebsversammlung. Wer oft Veranstaltungen organisiert oder besucht, kennt sich mit den üblichen Tagesordnungen aus: Vorträge und ausgiebige Präsentationen mithilfe unzähliger Folien. Viel frontale Wissensvermittlung gepaart mit der Vorfreude auf den aktiven Austausch in den Kaffeepausen. Und die sind dann oft viel zu kurz.

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Bild: www.26zehn.de

Der Besuch eines Xing-Barcamps vor ein paar Wochen brachte mich auf die Idee, dieses Format einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und hier im Blog vorzustellen. Bei der von mir besuchten Veranstaltung ging es um neue Trends aber auch stark um den fachlichen Austausch der etwa hundert Teilnehmer untereinander. Dies kannten sich vorher nicht, waren alle wissbegierig – man hätte also auch eine herkömmliche Wissensvermittlung anbieten können.

 Was ist denn ein Barcamp überhaupt?

Um es gleich vorweg zu nehmen: ein Barcamp hat nichts mit leckeren Cocktails oder stimmungsvollem Jazz in der Hotelbar zu tun. Weiteren Aufschluss gibt es bei Wikipedia: “Ein Barcamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden” (…) . Ein Barcamp besteht aus Vorträgen und Diskussionsrunden (sogenannte Sessions), die (…) auf Whiteboards, Metaplänen oder Pinnwänden – in sogenannten Grids (Stundenplan) – durch die Teilnehmer selbst koordiniert werden. Alle Teilnehmer sind aufgefordert, selbst einen Vortrag zu halten oder zu organisieren.(…) Zentrale Aufgabe hat der Moderator, der das Plenum als Start des Barcamps moderiert, und im Schlussplenum gemeinsam mit den Teilnehmern das gute Gelingen feiert.”

Und in der Praxis?

Auffallend anders war zunächst einmal der Veranstaltungsort: eine Kochschule in einem loftartigen Industriedenkmal: viele Sitzgelegenheiten, eine Kochinsel in der Mitte sowie eine nette Kaffeebar. Hiermit war die altbekannte Situation jeder Party, bei der zum Schluss die beste Stimmung in der Küche herrscht, von Anfang an gegeben.

Bild: www.26zehn.de

Bild: www.26zehn.de

Themen festlegen und sortieren

Im Vorfeld des Barcamps waren die Teilnehmer aufgefordert worden, die für sie relevanten Fragen zum Oberthema abzugeben. Diese wurden mithilfe von Klebchen durch die Teilnehmer anfangs priorisiert und von einem Moderator geordnet. Die am höchsten favorisierten Themen wurden in die verfügbaren Zeitfenster der Agenda eingefügt. Der Moderator war übrigens ausschließlich für die Abläufe verantwortlich, die Veranstalter konnten sich dadurch zu 100% auf den Austausch mit ihren Kunden und die Inhalte konzentrieren.

Aktivierung kollektiven Wissens

Jeder Teilnehmer konnte sich auch als Moderator für die einzelnen Themensessions melden, was tatsächlich auch wahrgenommen wurde. In einem festen Zeitrahmen von jeweils 45 Minuten wurden die Themen in den jeweiligen Gruppen bearbeitet, indem ein Maximum an Erfahrungen der Teilnehmer abgefragt und anschließend die drei wichtigsten Punkte festgelegt wurden. Das Ergebnis war eine intensive, stringent moderierte Diskussion, viele Erkenntnisse, keine Folien, viel Interaktion und damit schon zahlreiche Vorlagen für die Pausengespräche. Insgesamt konnte man an drei Themensessions teilnehmen. Am Ende wurden die Ergebnisse noch einmal im großen Plenum vorgestellt und mithilfe des Moderators diskutiert.

Was hat es gebracht?

Selten habe ich eine Veranstaltung besucht, bei der sich drei Ziele ideal miteinander kombinieren ließen:

 – Wissenstransfer: die offenen Beiträge in den Themensessions brachten viele Fakten und neue Erkenntnisse.

 – Fachliche Diskussion: Was oft erst am Ende eines Vortrags möglich ist, wurde so innerhalb der Themensession sehr gewinnbringend durchgeführt.

 – Networking: selten wurden so viele Visitenkarten in den Pausen getauscht, denn man war ja durch die einzelnen Beiträge der Teilnehmer schon relativ gut über das Tätigkeitsfeld und über Positionen der Teilnehmer informiert. Dies setzte sich übrigens danach auch in Online-Netzwerken fort.

Fazit:

Ein interessantes Format, was mit einer guten Moderation steht und fällt. Auf jeden Fall eine gute Alternative zu der üblichen Aneinanderreihung von folienbasierten Vorträgen. Wenn Sie Kundentagungen, Vortragsveranstaltungen oder Vertriebskonferenzen planen, sollten Sie dieses Format einmal ernsthaft in Erwägung ziehen.

Wie sind Ihre Erfahrungen? Ich bin gespannt und freue mich auch Ihre Kommentare!

Autorin: Ariane Bödecker

 

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