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Unternehmer und Unternehmen im ‚Wildwasser‘ der VUCA-Welt

Die Digitalisierung, oft auch Industrie 4.0 genannt, kommt schleichend und gleichzeitig mit grosser Macht. Arbeitsprozesse werden in allen Unternehmensbereichen auf den Kopf gestellt. Das gleicht aus Sicht der Betroffenen einer Wildwasserfahrt auf einem reißenden Fluss.  

2017_11_29 JWolf_VUCA_WildwasserEntscheidung: Bin ich Opfer oder Gestalter?

Neue Geschäftsmodelle, Arbeitsabläufe, Technologien, Denkweisen verändern Unternehmen und stellen hohe Anforderungen an die Menschen in den Unternehmen –  insbesondere an die Unternehmensführer – mit diesen Veränderungen klar zu kommen. Dabei steht niemand vor der Wahl, ob er mitmacht oder nicht. Wer nicht mitmacht bleibt auf der Strecke. Fachleute prognostizieren, dass diejenigen, die in den kommenden zwei (!) Jahren diesen Transformationsprozess nicht aufgenommen haben, den Rückstand kaum mehr aufholen können. Es geht also vor allem um die Frage, ob ich Opfer oder Gestalter dieser Veränderung bin.

Der Begriff, der diese aktuelle und zukünftige Situation für Unternehmen zusammenfasst lautet VUCA 2 und steht für:

V = Volatil (Volatility): Die Dynamik des Wandels entfaltet enorme Kräfte, die radikale Veränderungen möglich machen und auch zwangsläufig dazu führen.

U = Ungewiss (Uncertainty): Der Mangel an Berechenbarkeit, das Maß an unkontrollierbarer Überrumpelung und ein fehlendes Gefühl von Bewusstsein und Verständnis für Themen und Ereignisse sorgen für Ungewissheit.

C = Komplex (Complexity): Die Vernetzung unserer Systeme wird vielfacher, enger und unübersichtlicher, was für Chaos und Verwirrung sorgt. Gesellschaften, Unternehmen aber auch das individuelle Leben bieten unendliche Optionen und steigert die Komplexität.

A = Mehrdeutig (Ambiguity): Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind nicht mehr zu erkennen. Die Realität ist verwirrend, zunehmend unverständlich und deshalb nicht mehr planbar. Fehlinterpretationen nehmen zu, machen Entscheidungen immer schwieriger, weil die Verbindung von Wissen und Handeln mehrdeutig ist.

Welche Folgen hat VUCA für Unternehmen?

Volatil: Die Kunden von heute sind nicht mehr automatisch auch die Kunden von morgen

Auch die Quellen des Wettbewerbs sind nicht mehr eindeutig zu lokalisieren. Die elementare Frage lautet: Wer sind unsere Kunden und Wettbewerber von morgen? Weil auf diese Frage schon lange keine klaren Antworten mehr erfolgen können, nimmt der Innovationsdruck in den Unternehmen rasant zu und wird auch noch weiter ansteigen.
Fazit: Unternehmen müssen sich möglichst schnell diversifizieren.

Ungewiss: Ungewissheit über Marktentwicklungen nimmt zu

Weil Kunden und Wettbewerber nicht mehr eindeutig lokalisierbar sind, nimmt die Ungewissheit über Marktentwicklungen zu. Das stürzt selbst umsichtige Unternehmenslenker in ein Dilemma: Sie müssen mit dem „Worst Case“ rechnen und auf den „Best Case“ hinarbeiten. Eine der Kernfragen lautet: Womit und mit wem werden Unternehmen in Zukunft noch ihr Geld verdienen können?
Fazit: Ein nachhaltiges und dennoch flexibles Personalmanagement wird zukunftsentscheidend.

Komplex: Mentale Agilität wird zu einer Kernkompetenz

Eine hoch komplexe, in sich verzahnte und dabei elementar anfällige weltweite Verflechtung von Wirtschaftskreisläufen, denen ein politisch und rechtlich verlässlicher globaler Rahmen fehlt, sorgt bei jedem einzelnen Unternehmen dafür, dass Unternehmenslenker jederzeit in mehrere Richtungen denken müssen. Mentale Agilität wird zu einer Kernkompetenz.
Fazit: Der Fachkräftemangel der Zukunft wird durch einen Mangel an Generalisten und Allroundern gekennzeichnet sein, die schnell aus ihrer Komfortzone kommen können, hochgradig anpassungsfähig und in der Lage sind, sich unbekannte Sachverhalte schnell zu erschließen. 

Mehrdeutig: Individuelle Lösungen sind gefragt

Fehlen die bekannten Ursache-Wirkungszusammenhänge und verfehlen bisher bekannte und erfolgreiche Geschäftsmodelle plötzlich ihre Wirkung, sind Unternehmen öfter gezwungen, nach individuellen Lösungen zu suchen.
Fazit: Das Lernen von Best-Practice-Fällen, die Vertiefung von Know-how durch Erfahrung ist nicht mehr zwingend von Erfolg gekrönt.

Halbwertszeit des Erfahrungswissens

Das Optimum von gestern ist der Standard von heute. Die technische Entwicklung beschleunigt zunehmend das Ende der Massenproduktion. Branchengrenzen lösen sich auf. Der Kreislauf von VUCA beginnt erneut: Die Kunden von heute sind nicht mehr zwangsläufig auch die von morgen. Der Tendenz zu VUCA kann man nicht mit generellen und bisher allgemein gültigen Managementstrategien oder politischen Strategien begegnen. Lineare Lösungen, lineares Denken, lineares Management und lineare Karrieren sind in einer dynamischen, volatilen, veränderungsstarken und mehrdeutigen Welt keine Lösung, sondern ein Problem.

Ran an die Themen der “VUCA-Welt”

TAB-Unternehmerboards sind die ideale Plattform, um mit anderen Unternehmenslenkern die Themen der ‚VUCA-Welt‘ zu bearbeiten und so seinen Weg durch das Wildwasser zu finden, am Markt zu bestehen und für den zukünftigen Bestand des Unternehmens zu sorgen.

Melanie Vogel hat mich mit ihrem Buch Futability zu diesen Gedanken inspiriert und mich aufgrund von wiederkehrenden Diskussionen mit Unternehmern zum Verfassen dieses Blogbeitrags veranlasst. Das Buch von Melanie Vogel möchte ich wärmstens empfehlen. Sie zeigt in ihrem Buch hilfreiche Handlungsempfehlungen und Übungen für die schrittweise Gestaltung der Veränderungen auf.

Quellen:

1. Melanie Vogel, Futability® – Wie Sie Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbsbestimmt gestalten, 1. Auflage, Februar 2016, ISBN 978-3-946302-00-01.

2. Futability-Blog

Autor: Josef Wolf, TAB Neckar-Alb

Die TAB-Unternehmerboards in der Region Neckar-Alb werden von Josef Wolf  moderiert. Hier treffen sich Unternehmer einmal im Monat, um Lösungen für die aktuellen Knackpunkte ihres unternehmerischen Alltags in einer vertraulichen Atmosphäre gemeinsam zu entwickeln.

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