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Ein Unternehmer sollte nicht Sklave seiner Firma sein – Teil I

Stress, Burn-out und am Ende noch nicht einmal ein Nachfolger oder ein Käufer in Sicht? Dafür haben Sie Ihre Firma sicher nicht gegründet oder übernommen! Doch wie können Sie das ändern? Erfinden Sie sich als Unternehmer neu und ändern Sie Ihre Aufgaben.
Dabei kommt es auf fünf Themen an – Teil I.

2017_06_21_MSchotters_Unternehmeraufgaben I&IIIch habe in vielen Gesprächen mit Unternehmern festgestellt, dass diese im Grunde Sklave Ihres eigenen Unternehmens sind. Sie handeln oft wenig nach eigenem Willen und sind stattdessen Zwängen ausgesetzt, die durch das Tagesgeschäft oder durch Erwartungshaltungen Dritter oktroyiert werden. Zugleich kommen sie nicht so richtig vom Fleck und stellen sich dann irgendwann die Frage:

Warum mache ich das eigentlich?

Ich gebe zu, dass ich diese Erfahrung als Unternehmer auch selber gemacht habe. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Es gibt aber auch Unternehmer, bei denen sich das anders verhält. Sie haben ein erfolgreiches Unternehmen, verdienen sehr viel Geld und schaffen es sogar, mehr Zeit für private Dinge zu haben als für die Firma aufzuwenden. Was machen diese Unternehmer anders?

Selbstverständnis als Unternehmer

Will ich Selbständiger oder will ich Unternehmer sein? Gut: Unternehmer, also jemand der mit Hilfe von Mitarbeitern Produkte und Leistungen anbieten will, die Kunden einen Nutzen stiften. Was sind dann aber meine Aufgaben, um die ich mich als Unternehmer kümmern sollte? Gehören dazu Tätigkeiten als Fachexperte oder Sachbearbeiter?

Sie ahnen an der Fragestellung, dass meine Antwort natürlich lautet: Nein – für die Sachbearbeitung habe ich Mitarbeiter. OK – in der Frühphase oder in einem Kleinst-Unternehmen mit ein, zwei Mitarbeitern geht das (noch) nicht. Aber wenn ich als Unternehmer das Ziel habe zu wachsen, sollten diese Tätigkeiten möglichst bald an gute Mitarbeiter abgegeben werden, um nicht Sklave meines Unternehmens zu werden.

Und was sind nun meine Aufgaben, denen ich mich als Unternehmer primär widmen sollte, wenn ich frei sein möchte?

Aufgabe 1: Die WARUM-Frage beantworten, prüfen, beantworten, …

Die erste Aufgabe besteht darin, die WARUM-Frage zu beantworten. DAS ist die essentielle Unternehmerfrage. Warum hat mein Unternehmen eine Existenzberechtigung? Welchen Nutzen soll es für welche Kunden stiften? Für welche Werte steht mein Unternehmen – heute, morgen, übermorgen? Und meine Aufgabe ist es, diese Frage in regelmäßigen Abständen und weit vorausschauend immer wieder zu beantworten. Die Frage muss ich als Unternehmer auch alleine beantworten, da meine Mitarbeiter, meine Kunden und ggf. auch meine Kapitalgeber hier meine Führung erwarten. Dafür muss ich mir Zeit nehmen, denn es gilt, eine Vielzahl von Informationen zusammenzuführen und zu interpretieren. Und ich brauche Zeit, mein Idealbild meines Unternehmens zu kommunizieren, um hiermit meine Mitarbeiter und Kunden für mein Unternehmen zu begeistern.

Aufgabe 2: Die WIE-Frage beantworten, prüfen, beantworten, …

„Tolle Idee Chef und wie willst Du dahin kommen?“ Eine berechtigte Frage, nämlich die nach dem Plan. Damit machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, welche Erwartungen Sie haben und wie sie erfüllt werden können. Sie legen Ziele fest und eine Strategie, für welche Marschroute Sie sich grundsätzlich entschieden haben, das heißt, wie Sie mit minimalem Einsatz an Zeit und Ressourcen ans Ziel kommen wollen. Und auch das benötigt Zeit: gute Ziele definieren und eine clevere Strategie entwickeln, wie Ihr Unternehmen sich im Wettbewerb behaupten kann. Das motiviert sie selbst und die Mannschaft und bildet zusammen mit dem Leitbild das Steuer, das Ihnen die Navigation des Schiffes erheblich leichter macht, denn Ihre Idee und Strategie haben ja alle verstanden und können entsprechend selbständiger agieren.

Aufgabe 3: Die WOMIT-Frage beantworten

Als weitblickender Unternehmer kümmere ich mich nun um die Beschaffung von Mitarbeitern und Geld. Wie bekomme ich genau die Mitarbeiter, die ich nicht nur fachlich benötige, sondern die auch die Werte und das Leitbild meines Unternehmens begeistert teilen und diese Begeisterung auch meine Kunden erfahren lassen? Zugleich lege ich die Organisation fest, damit wenig Reibung entsteht. Geld beschaffe ich von Dritten als Starthilfe neuer Vorhaben. Und für die ständige Zufuhr liquider Mittel achte ich darauf, dass meine Kunden begeistert sind von meinen Produkten. Dann geben Sie mir auch das Geld, das ich für das weitere Wachstum meines Unternehmens benötige.

Um was bei den Aufgaben 4 und 5 geht, lesen Sie im 2. Teil, der am 12.07.2017 erscheint.

Autor: Dr. Markus Schotters, TAB Dresden

Wenn sich Unternehmer in vertraulicher Think-Tank Atmosphäre regelmäßig in den TAB Unternehmerboards in Dresden treffen, ist Dr. Markus Schotters ihr Moderator und geschätzter Ratgeber. Nicht nur, wenn es um die eigene Rolle als Unternehmer geht. 

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