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Ein Unternehmer sollte nicht Sklave seiner Firma sein – Teil 2

Stress, Burn-out und am Ende noch nicht einmal ein Nachfolger oder ein Käufer in Sicht? Dafür haben Sie Ihre Firma sicher nicht gegründet oder übernommen! Doch wie können Sie das ändern? Erfinden Sie sich als Unternehmer neu und ändern Sie Ihre Aufgaben. Auf fünf Themen kommt es dabei an.

2017_06_21_MSchotters_Unternehmeraufgaben I&IIIch habe in vielen Gesprächen mit Unternehmern festgestellt, dass diese im Grunde Sklave Ihres eigenen Unternehmens sind. Sie handeln oft wenig nach eigenem Willen und sind stattdessen Zwängen ausgesetzt, die durch das Tagesgeschäft oder durch Erwartungshaltungen Dritter oktroyiert werden. Zugleich kommen sie nicht so richtig vom Fleck und stellen sich dann irgendwann die Frage: Warum mache ich das eigentlich? Ich gebe zu, dass ich diese Erfahrung als Unternehmer auch selber gemacht habe. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Im ersten Teil habe ich das Selbstverständnis diskutiert und die ersten drei Aufgabenbereiche, nämlich die Beantwortung der zentralen Fragen WARUM, WIE und WOMIT beschrieben.

Aufgabe 4: Verändern, um beweglich zu bleiben

Immer wieder überprüfe ich, ob Technologie und Maschinen meines Unternehmens wirtschaftlich sind, ob dessen Produkte noch Nutzen stiften, ob Kunden und Lieferanten noch die richtigen sind, ob die richtigen Mitarbeiter an Bord sind und ob Führungsstrukturen und Prozesse noch angemessen sind. Wenn das an der einen oder anderen Stelle nicht mehr der Fall ist, trenne ich mich schnell und entschlossen vom Unpassenden oder sorge ich für Austausch und Änderung. Ich weiß, das klingt ein wenig hart – insbesondere, wenn es um die Frage geht, ob ich noch die richtigen Mitarbeiter an Bord habe. Aber auch diese Aufgabe gehört dazu. Und sie ist sehr wichtig, da sie das Unternehmen schlank und beweglich hält.

Aufgabe 5: Eigene Weiterentwicklung ist Zukunftssicherung

Eine überaus erfolgskritische und in ihrer Bedeutung für das Unternehmen oft unterschätzte Aufgabe des Unternehmers ist seine persönliche Weiterentwicklung. Unternehmer sein – das ist nichts anderes als ein spezieller Beruf. Und wie in allen anderen Berufen auch, beherrsche ich neue Herausforderungen, wenn ich meine Persönlichkeit entwickle und mich weiterbilde. Mit anderen Worten: Werde ich immer besser in der Erledigung meiner Unternehmeraufgaben, bin ich auch in der Lage, die Entwicklung meines Unternehmens zu fördern. Und das ist entscheidend, wenn ich es auf seinem Weg beherrschen und letztlich vor seinem Untergang bewahren will. (Aus meiner fernen Perspektive habe ich den Eindruck, dass das möglicherweise auch ein Grund war, warum zum Beispiel Schlecker gescheitert ist.)

Mein Unternehmen läuft auch ohne mich

Wenn Sie das alles einmal Revue passieren lassen, werden Sie feststellen: Bei all diesen Tätigkeiten arbeite ich gar nicht IM Unternehmen, sondern ausschließlich AN meinem Unternehmen. Im Grunde bin ich weitgehend außen vor. Ich sehe zu, dass der Zweck meines Unternehmens klar und überzeugend ist, dass “der Laden” läuft (der Nutzen für Kunden geschaffen wird) und dass notwendige Änderungen stattfinden. Ich bin es also gar nicht mehr selber, der in die Schaffung des Nutzens für Kunden einbezogen ist. Das machen alles meine Mitarbeiter. Mein Unternehmen läuft eine Zeit lang auch ohne mich – ein beruhigendes Gefühl, finden Sie nicht?

Ich kann mein Unternehmen jederzeit verkaufen

Damit ist ihr Unternehmen zugleich – quasi als Nebeneffekt – perfekt vorbereitet für einen Verkauf oder für eine Übergabe an Ihren Nachfolger. Dieser wird es Ihnen außerdem auch gerne abkaufen, denn im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen ist Ihres unabhängig von Ihnen und es ist optimiert auf Nutzenstiftung. Letzteres ist die beste Absicherung der Investition und der Rendite-Erwartungen Ihres Nachfolgers.

Der Wert meiner unternehmerischen Arbeit

Diese Unternehmeraufgaben sind nicht nur spannend, sondern auch ungeheuer wertstiftend. Und je größer Ihr Unternehmen wird, desto größer ist der Multiplikator Ihres unternehmerischen Tuns. Habe ich in Ihnen das Feuer entfacht, gleich heute damit zu beginnen, Ihre aktuellen Aktivitäten auf den Prüfstand zu stellen? Haben Sie den Willen, konsequent daran zu arbeiten, dass Sie künftig nur noch Unternehmer-Aufgaben wahrnehmen?

Übrigens: Genau daran arbeiten wir permanent in unseren Unternehmerboards. Wir unterstützen uns gegenseitig, mehr Zeit für unternehmerische Aufgaben zu gewinnen. Auf dem Weg dahin verbessern wir die Qualität unserer Entscheidungen in dem wir sie auf das kollektive Wissen des Boards stützen. Und da wir auch nur Menschen sind, gehört es auch dazu uns gegenseitig zu ermutigen, Gewohntes loszulassen und neue Wege zu gehen.

Autor: Dr. Markus Schotters, TAB Dresden

Wenn sich Unternehmer in vertraulicher Think-Tank Atmosphäre regelmäßig in den TAB Unternehmerboards in Dresden treffen, ist Dr. Markus Schotters ihr Moderator und geschätzter Ratgeber. Nicht nur, wenn es um die eigene Rolle als Unternehmer geht. 

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