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Unternehmensfinanzierung: 6 Alternativen zur Hausbank

Eine geringe Eigenkapitalquote oder spärliche beleihungsfähige Sicherheiten sind nicht selten der Grund, den Banken für die Verweigerung der Kreditvergabe nennen. Der klassische Finanzierungsweg über Bankkredite ist – nicht zuletzt wegen der Beschlüsse um Basel III und der Finanzkrise – immer steiniger geworden. Zunehmend werden hierdurch innovative Ideen oder wachstumsorientierte Vorhaben von Unternehmen verhindert.

“Ihre Eigenkapitalquote ist ziemlich gering. Wie sieht es denn dann mit Sicherheiten aus? Ach, Sie haben keine – tja dann wird es schwierig!”

Image courtesy of Jeroen van Oostrom at FreeDigitalPhotos.net

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So oder so ähnlich haben es bestimmt viele Unternehmer schon mal gehört, wenn es um Finanzierung von Investitionen oder auch um Wachstum im Unternehmen geht. Will die Bank solche Vorhaben nicht unterstützen, dann muss man die Flinte nicht gleich ins Korn werfen, denn es gibt mittlerweile auch interessante Alternativen. Auch für KMU´s. Dazu zählen unter anderem:

1. Factoring: Liquidität sofort

Hierbei übernimmt eine sog. Factoring-Gesellschaft die Außenstände (Geldforderungen gegenüber Kunden aus Warenlieferung oder Dienstleistung) und das gesamte Debitoren-Management (Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen). Die Vorteile für den Unternehmer liegen in der sofortigen Liquidität, da die Factoring-Gesellschaft schon bei Rechnungsstellung einen bestimmten Anteil des Hauptbetrages an den Unternehmer auszahlt. Dies spart erheblichen Aufwand und auch das Ausfallrisiko. Allerdings ist dies natürlich nicht kostenlos. Für den Aufwand und das Risiko behält sich die Factoring-Gesellschaft einen Teil der Gesamtsumme ein.

2. Leasing: nicht nur bei PKWs möglich

Eine bekannte Finanzierungsmöglichkeit ist Leasing – gerade für Firmenwagen ist dies eine häufig angewandte Finanzierungsform. Viele Unternehmer wissen aber nicht, dass man heute mittlerweile fast alles leasen kann. Vom PC über die Büroeinrichtung bis hin zu Maschinen und Gebäuden. Leasinggesellschaften nehmen häufig eine andere Risikobewertung vor – nicht zuletzt, da sie juristischer Eigentümer der finanzierten Güter bleiben.

3. Venture Capital: Geld und Managementunterstützung

Venture Capital ist in erster Linie für junge, meist innovative Unternehmen mit hohen Wachstumsaussichten relevant. Diese Finanzierungsform setzt auf innovative Unternehmenskonzepte mit überdurchschnittlichen Ertragsaussichten. Da in der Regel bei solchen Unternehmen auch ein hohes Risiko besteht wird die Finanzierung nicht selten nur in Verbindung mit einer Managementunterstützung gewährt.

4. Mezzanine-Finanzierung: Verzinsung von Kaufoptionen

Bei dieser Finanzierung handelt es sich um eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital mit einer Vielzahl von Gestaltungsfromen (Nachrangdarlehen, stille Beteiligungen). Da der Mezzanie-Geber in der Regel keine Sicherheiten hat, trägt er  – im Vergleich zum klassischen Bankkredit – auch ein höheres Risiko. Dafür erwartet er natürlich eine höhere Verzinsung. Oft erfolgt das durch eine feste Verzinsung mit z.B. der Option am Wertzuwachs des Unternehmens mittels einer Kaufoption auf definierte Anteile am Unternehmen. Neben den spezialisierten Structured-finance-Abteilungen der Großbanken gibt es mittlerweile auch bankenuabhängige Mezzanine-Geber am Markt. Letztere sind direkte Ansprechpartner für Unternehmer.

5. Mitarbeiterkapitalbeteiligung: auch Motivationsinstrument

Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung ist die vertragliche, in der Regel dauerhafte Beteiligung der Mitarbeiter am Kapital des arbeitgebenden Unternehmens.Die Beteiligung kann in Form von Fremd- oder Eigenkapital erfolgen. Die Mitarbeiter erhalten für den Kapitaleinsatz eine Verzinsung und / oder werden am Unternehmensergebnis beteiligt. Ob die Mitarbeiter auch Informations-, Kontroll- und Mitwirkungsrechte haben, kann durch die Arte der Beteiligung geregelt werden. Im übrigen ist nachgewiesen, dass Unternehmen die Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch finanzielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben lassen, robuster und überlebensfähiger – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind.

6. Crowdfunding: flexibel und schnell

Crowdfunding funktioniert in der Regel über eine Internetplattform. Über entsprechende Provider (z.B.Deutsche MicroInvest) können Unternehmen ihre Projekte direkt der Öffentlichkeit vorstellen, um möglichst viele Interessenten für eine gemeinschaftliche Finanzierung zu gewinnen. Die Gruppe der Interessenten, deren Mitglieder finanzielle Beiträge in meist kleinen Größenordnungen beisteuern, bilden die “crowd”, die die Realisierung des Projektes ermöglicht. Das Crowdfunding ist üblicherweise erst realisiert, wenn genügend Geldgeber gefunden wurden und die Zielsumme erreicht ist. Mittlerweile gibt es aber auch Plattformen (z.b. zencap) die aufgrund von standardisierten Prozessen Unternehmern ohne Vorstellung eines speziellen Projektes und der Notwendigkeit abzuwarten ob die Zielsumme erreicht wird, Kapital als Kredit zur Verfügung stellen. Auch hier stammt das Kapital von der “crowd”. Vorteile sind neben der Bankenunabhängigkeit, eine schnelle Kreditzusage und eine hohe Flexibilität bei der Rückzahlung.

Fazit:

Neben klassischen Finanzierungen gibt es mittlerweile auch außerhalb der Bankenlandschaft alternative, sehr interessante Finanzierungsformen. Allerdings ist es nicht so bequem, wie der Weg zur Hausbank. Wer nach Alternativen sucht, dem bleiben eigene, manchmal recht aufwändige Recherchen nicht erspart.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den oben genannten Finanzierungsformen gemacht?

Autor: Frank Kolbe

1 Kommentar

  1. Jörg Telsemeyer

    06/06/2015 @ 11:24

    Insbesondere Factoring halte ich für eine intelligente, alternative Finanzierung für den Mittelstand. Wenn man ein sogenanntes Einvertragsmodell wählt, ist auch gleichzeitig die Warenkreditversicherung inbegriffen und die Gesamtkosten, Gebühr und Zinsen, sind auch nicht höher als bei einem Kontokorrent der Hausbank. Auch für Unternehmen, die einen hohen Exportanteil haben, kann das interessant sein, weil sich Factorer besser mit den jeweiligen Gesetzgebungen auskennen. Ein weiterer Vorteil ist bei Debitoren mit langen Zahlungszielen, wird nicht nur die Liquidität verbessert, man kann dann vielleicht auch selbst bei seinen Lieferanten Skonto ziehen und die Bilanzsumme insgesamt senkt sich, was bedeutet, da das Eigenkapital gleich bleibt, verbessert sich die EK-Quote zur Bilanzsumme.

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