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Scheitern trotz Unternehmenserfolg? Nachschlag zum Peter Prinzip

„Mein Weg nach oben war nicht besonders schwer. Mein Vater hat ein Unternehmen gegründet und ist dann gestorben.“ (Malcolm S. Forbes (1920-90), amerik. Verleger )

Vor einigen Wochen habe ich hier im TAB Unternehmer-Blog das Peter-Prinzip vorgestellt und eine Fortsetzung versprochen. Laurence J. Peters Kernthese, dass „in einer Hierarchie […] jeder Beschäftigte dazu [neigt], bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“, habe ich zunächst anhand eines Beispiels illustriert, wie Beförderungen in KMUs schief gehen können. Manchen von Ihnen hat bestimmt schon beim Lesen des ersten Teils das unangenehme Gefühl beschlichen, dass das Peter-Prinzip auch bei Unternehmensinhabern Gültigkeit haben könnte. Und das hat es in der Tat, auch wenn die Mechanismen bisweilen andere sind.

Besonders gefährdete Kandidaten

Es gibt viele Möglichkeiten Unternehmer zu werden, quasi zum Inhaber „aufzusteigen“, und es gibt ebenso viele Möglichkeiten aufgrund der eigenen Unfähigkeit zu scheitern oder wenigstens unerfolgreich zu bleiben. Dass der Sohn „vom Alten“ bei der Nachfolgeregelung manchmal eben auch nur das als einzige „Qualifikation“ mit bringt, kennen wir. Eine viel gefährlichere, weil subtilere, Situation ist jedoch die Anwendung des Peter-Prinzips auf Start-Up-Unternehmer und Existenzgründer. Warum? Weil hier der Unternehmer nicht auf eine Position mit klaren erforderlichen Kompetenzen „befördert“ wird, sondern weil sich die Anforderungen mit wachsendem Unternehmenserfolg und -größe massiv verändern.

Peter Prinzip 2 photo by cooldesign

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Hört der Unternehmer zwangsläufig auf, gut zu sein?

Jedem Unternehmensinhaber ist klar, dass 50 oder 100 Mitarbeiter ganz andere Prozesse und Strukturen erfordern als 5 oder 10. Auch die Relevanz von Visionen oder Unternehmens- und Führungskulturen nehmen unterschiedliche Stellenwerte ein. Wer vor Jahren, vielleicht sogar noch während seiner Ausbildungsphase, ein Unternehmen mit einer innovativen Idee gründete, ist heute nicht automatisch auch jemand, der Mitarbeiter führen, Vertriebsstrategien planen, Kundenmanagementsysteme einführen oder Personalentwicklung voran treiben kann oder will. Das Peter-Prinzip wirkt, obwohl der Start-Up-Unternehmer nie im herkömmlichen Sinne aufstieg. Die veränderten Anforderungen lassen ihn trotzdem unfähig erscheinen, auch weil ihm oft mangels Erfahrung die Arbeitnehmerperspektive völlig fehlt.

Wirksamer Austausch mit anderen Unternehmern

In den zehn Jahren meiner Tätigkeit als Trainer, Moderator und Coach habe ich eine Reihe Unternehmensinhaber kennen gelernt, auf die die Kernthese des Peter-Prinzips durchaus zutrifft. Das ist fast zwangsläufig so, denn kein Unternehmer kann in allen Bereichen top sein. Das muss er auch nicht, wenn er in der Lage ist, das zu erkennen und sich Rat von entsprechenden Experten sucht. Steuerberater, Anwälte oder ein persönlicher Coach nehmen oft diese Rolle ein. Manchen Unternehmer treiben jedoch auch Fragestellungen um, die andere Unternehmer am ehesten nachvollziehen und mit ihrer langjährigen Erfahrung beantworten können. Einen solchen Kreis von Gleichgesinnten finden Sie beispielsweise in Ihrem TAB Unternehmer-Board, aber als regelmäßiger Leser dieses BLOGs wussten Sie das ja schon, nicht wahr? Übrigens:  In einer internationalen Vergleichsstudie zur wirtschaftlichen Entwicklung schätzen TAB-Mitglieder bei gleicher Branche und Region die Performance Ihres Unternehmens durchweg optimistischer ein als Nicht-Mitglieder.

Autor: Kay Strauß

 

2 Kommentare

  1. Das kann ich bestätigen, dass im TAB Board die Sensibilisierung stattfindet, bei strategisch wichtigen Themen, die Auswahl mit einem Profi oder Unternehmer zu besprechen. Auch bei der Auswahl des Partners (Anwalt, Steuerberater) neigen immer noch viele Gründer zu Oberflächlichkeit.
    Schon wenn man diese Aufmerksamkeit auf alle dauerhaften Dienstverträge und Zulieferer anwendet, hat man das unternehmerische Risiko senken können.
    Viele Grüße, Markus Kohlmüller

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    • Lieber Markus, vielen Dank für deinen Kommentar. Auch ich bin immer wieder begeistert (und manchmal auch erstaunt), welche Tragweite manch kleiner Hinweis für meine Unternehmer haben kann. Dabei ist wird es immer wieder deutlich, dass dem Feedback eines anderen Unternehmers eine ganz besondere Bedeutung beigemessen wird. Viele Grüße, Kay

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