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Nutzen Sie die Probezeit!

Kennen Sie das auch? Nach sechs Monaten der Beschäftigung des neuen Mitarbeiters* greift ja das Kündigungsschutzgesetz – dann wird es mühsam und teuer, einen nicht passenden Mitarbeiter los zu werden. Dieser Termin kommt rasch näher und Sie sind sich immer noch nicht sicher, ob Sie ihn wirklich behalten wollen?

In meinem letzten Blog habe ich über die professionelle Einarbeitung des neuen Mitarbeiters geschrieben. Wenn Sie sich daran halten, haben Sie von Ihrer Seite aus das Mögliche getan, um dem Mitarbeiter eine bestmögliche Chance zu geben.

Probezeit nutzen Ralf Mathiesen TAB Berlin

Image courtesy of Sira Anamwong at FreeDigitalPhotos.net

Probezeit? Auf jeden Fall vereinbaren!

Mein Rat: vereinbaren Sie im Arbeitsvertrag immer sechs Monate Probezeit (sofern ein für Ihr Unternehmen geltender Tarifvertrag nichts Anderes regelt), das ermöglicht eine kurze Kündigungsfrist von i.d.R. 2 Wochen.

Regelmäßige Gespräche zu festgelegten Zeitpunkten

Zu Ihrer Entscheidung der Weiterbeschäftigung nach den ersten sechs Monaten helfen regelmäßige Gespräche mit dem neuen Mitarbeiter zu festgelegten Zeitpunkten. Hier erörtern Sie den Standes des Einarbeitungsplanes und nutzen die Gelegenheit für gegenseitiges Feedback.

Nach 3 Monaten: Halbzeitgespräch!

Ein Fixpunkt in Ihrem Kalender sollte dabei das „Halbzeitgespräch“, also nach drei Monaten sein. Da sollten Ihnen ja viele Informationen vorliegen: Ist der Einarbeitungsplan wie vorgesehen abgearbeitet? Was sind die Arbeitsergebnisse? Was sagen die Arbeitskollegen und der Pate? Besonders interessant ist, wie der Arbeitnehmer auf seine ersten Monate reflektiert. Hören Sie genau zu: hier merken Sie, wie sich der Mitarbeiter mit seiner Aufgabe, dem Unternehmen und den Unternehmenswerten identifiziert.

Frische Sicht des Neuen nutzen!

Und lernen Sie dabei vom neuen Mitarbeiter: Er ist noch nicht betriebsblind und kann wertvolle Ratschläge zur Verbesserung geben. An den Vorschlägen erkennen Sie natürlich auch, wie der Mitarbeiter das Unternehmen und seine Aufgabe verstanden hat.
Wenn Sie sehr zufrieden mit dem neuen Mitarbeiter sind, können Sie als Zeichen der Wertschätzung die Probezeit jederzeit für beendet erklären und dazu eine schriftliche Notiz verfassen. Das erhöht die Bindung und beendet i.d.R. auch für den Mitarbeiter diese Frage – denn auch der Mitarbeiter kann ja die Probezeit nutzen, um sich Optionen am Arbeitsmarkt offen zu halten.

Und wenn es in der Probezeit holpert?

Wenn Sie unzufrieden mit dem neuen Mitarbeiter sind, obwohl die Einarbeitung unternehmensseitig nach Plan gelaufen ist: woran liegt es genau? Wissen und Fertigkeiten können i.d.R. vermittelt werden, wenn die Bereitschaft besteht. Bei Manchen dauert es halt etwas länger. Machen Sie Ihre Entscheidung vor allem daran fest, in welchem Maße der Mitarbeiter zu den Werten des Unternehmens passt. Es geht um die Persönlichkeit, ob dieser Mensch zum Unternehmen passt – oder nicht.

Dem eigenen Anspruch treu bleiben

Mein Rat, wenn Sie darüber im Zweifel sind: ziehen Sie die Reißleine! Sie bereuen es sonst später. Verwässern Sie Ihren Anspruch nicht, auch wenn Sie wissen, wie aufwändig die Suche nach einem Ersatz sein kann.

Verlängerung der Probezeit ist unwirksam

In Zweifelsfällen haben manche Arbeitgeber die Idee, die Probezeit zu verlängern und wollen dies schriftlich mit dem Arbeitnehmer vereinbaren. Das kann Ihr Arbeitnehmer problemlos unterschreiben, denn das ist unwirksam! Die Probezeit hat grundsätzlich nichts mit der Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes zu tun. Was hier möglich ist, ist eine Kündigung bzw. ein Aufhebungsvertrag zu einem Datum nach dem Ende der ersten sechs Monate, mit der Zusage der Wiedereinstellung, wenn der Mitarbeiter dann seine Aufgaben entsprechend ausfüllt. Das muss aber rechtlich einwandfrei erstellt sein, machen Sie das bitte nicht ohne juristischen Rat!
Besser und wirtschaftlicher ist es natürlich, eine Entscheidung spätestens zum Ende der sechs Monate zu treffen.

*Zur Vereinfachung verwende ich die männliche Form, es sind natürlich immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeint.

Autor: Ralf Mathiesen

Die TAB-Unternehmerboards in Berlin werden von Ralf Mathiesen moderiert. Hier treffen sich Inhaber und Geschäftsführer von kleinen und mittelständischen Unternehmen einmal im Monat, um Lösungen für aktuelle Themen ihres unternehmerischen Alltags in einer vertraulichen Atmosphäre gemeinsam zu entwickeln.

1 Kommentar

  1. Thomas Grutzeck

    15/04/2016 @ 22:14

    Sehr gute Serie, mit vielen Perspektiven und Maßnahmen, die ich so bisher nicht (immer) im Fokus hatte. Bitte mehr davon!

    Antworten

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