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Negatives Feedback geben, ohne zu demotivieren?

Richtig gegebenes Feedback ist für Geber und Nehmer klärend und reinigend und dient der gemeinsamen Sache. Aber nur dann, wenn es beim Empfänger keine Demotivation verursacht.

RMImage courtesy of 89studio at FreeDigitalPhotos.net

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Die Rakete ist unterwegs und wird ihr Ziel verfehlen. Nur ein Steuerimpuls kann jetzt die Mission noch retten. Steuerimpulse nennt man in der Führung „Feedback“. Zu Unrecht haben sie einen negativen Geschmack. Denn sie werden gegeben, um Gutes zu bewirken.

So funktioniert negatives Feedback ohne demotivierende Wirkung:

1) Nennen Sie Ihre Beobachtung ohne Bewertung (so wie eine Kamera oder ein Mikrofon es aufnehmen würde)

Machen Sie hier einen Fehler, indem Sie bewerten oder verurteilen, dann brauchen Sie den Rest des Gespräches gar nicht mehr führen. Also aufgepasst. Verboten sind Worte wie:
>> Immer
>> Nie
>> Zu spät
>> Zu schlecht
>> Zu langsam
>> Schlampig
>> Ohne nachzudenken
>> Usw.

Denken Sie immer daran, was eine Kamera oder ein Mikrofon aufnehmen könnte. Dann wird aus: „Sie kommen laufend zu spät.“ >>> „Sie sind in der letzten Woche am Dienstag und am Donnerstag erst nach 8 Uhr zur Arbeit gekommen.“

2) Was macht es mit Ihnen?

Sagen Sie Ihrem Gegenüber ruhig, wie Sie sich damit fühlen. Damit müssen Sie Ihre Emotionalität nicht unterdrücken. Äußern sie diese aber ohne zu verletzen.

Zum Beispiel: „Das ärgert mich.“, „Das irritiert mich.“, „Das macht mich wütend.“

3) Welches Bedürfnis (Ihres oder das Ihres Unternehmens) sehen Sie dadurch nicht erfüllt?

Zum Beispiel:
Ihnen ist Verlässlichkeit wichtig: „Mir ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter zur vereinbarten Zeit beginnt.“
Ihnen ist Respekt wichtig: „Wir besprechen das schon zum 3. Mal und ich fühle mich nicht ernst genommen.“
Ihnen ist Sicherheit wichtig: „Aus Sicherheitsgründen ist mir wichtig, dass während der Arbeitszeiten die Mitarbeiter nicht durch die Fahrgänge laufen.“

Oder sprechen Sie das Bedürfnis einfach aus: „Mir ist Planbarkeit der Abläufe wichtig.“

4) Ihre Bitte an den Mitarbeiter

Sagen Sie klar und deutlich in einem oder zwei Sätzen, was Sie von Ihrem Gesprächspartner wollen. Eiern Sie nicht herum, sondern raus damit!

Ja, ich weiß. Dazu müssen Sie sich selbst genau darüber im Klaren sein. Und bitte beginnen Sie das Gespräch auf keinen Fall, bevor Sie das nicht sind. Denn sonst ist das Gespräch nutzlos und führt garantiert zu einer Verstimmung auf beiden Seiten.

Denn sind wir doch einmal ehrlich. Nur deshalb wollen Sie dieses Gespräch führen: Sie wollen dem Anderen etwas klar machen. Hier ist Ihre Chance. Alle vorherigen Punkte waren nur Vorbereitung, nur Warm-Up.

Jetzt kommt die Aussage:

>> „Ich möchte, dass Sie jeden Tag um 5 Minuten vor 8 Uhr im Vorraum zur Umkleidekabine einstempeln.“
>> „Bitte lassen Sie sich anleiten, um ab morgen die Stempeluhr korrekt bedienen zu können.“
>> „Ich bitte Sie, das Umkleiden innerhalb der Arbeitszeit zu tun und trotzdem spätestens um 8 Uhr an Ihrem Arbeitsplatz zu sein.“

Das war es schon. Wenn Sie gut vorbereitet sind, sind diese Gespräche sehr kurz und klar.
Und hier noch einmal alles zusammengefasst:

Nicht:

„Mensch Meier, immer sind Sie zu spät. Ist das denn so schwer? Machen Sie das zu Hause eigentlich genauso?“

Sondern:

„(1) Herr Meier, sie sind am Dienstag und heute Morgen nach 8 Uhr an Ihrem Arbeitsplatz erschienen. (2) Das ärgert mich, (3) weil es mir wichtig ist, dass nach Arbeitsbeginn Mitarbeiter nicht durch die Fahrgänge laufen. (4) Ich möchte, dass Sie in Zukunft zuverlässig und ohne Ausnahme um 10 Minuten vor 8 Uhr einstempeln um sicher vor 8 Uhr an Ihrem Arbeitsplatz zu sein.“

Übrigens:

Sollte Ihnen etwas Positives aufgefallen sein, so wird das in Bayern und Schwaben nicht erwähnt („Nix gesagt ist gelobt genug!“)
In allen anderen Regionen darf es dann heißen: „Herr Meier, (1) Sie waren die letzten 6 Monate immer pünktlich, wie wir es besprochen hatten. (2) Das freut mich, (3) weil ich merke, dass Sie unser Gespräch ernst genommen haben. (4) Vielen Dank!“

Autor: Markus Hecht, TAB Augsburg

2 Kommentare

  1. Michael Beckmann

    22/10/2017 @ 08:25

    Ein ermutigender Beitrag! 2 Anmerkungen: wirksames Feedback berücksichtigt den Reifegrad des Feedbacknehmers. Die Wirkmächtigkeit der Aussage “Das ärgert mich” lässt sich mit dem Aufzeigen direkter Auswirkungen des Fehlverhaltens auf die Zielerreichung eines Organisation – wie z.B. in der Balanced Scorecard hinterlegt – verstärken.

    Antworten
  2. Kay Strauß

    20/10/2017 @ 17:33

    Zur Überschrift: Da in Unternehmen das Thema Feedback oft negativ besetzt ist, spreche ich persönlich gern von kritischem oder, noch lieber, konstruktivem Feedback… das unterstreicht auch die Verantwortung des Feedback-Gebers, dass ein blosser “Anschiss” wenig hilfreich sein kann…

    Antworten

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