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Ohne Ausreden: 7 Maßnahmen zur Teamentwicklung

Konflikte zwischen Unternehmensbereichen oder – Abteilungen, bzw. zwischen Teams und zwischen Menschen, die eigentlich kooperieren sollten, sind nur allzu bekannt. “Innere Fakten” müssen gezielt trainiert und überprüft werden, damit belastbare Teams entstehen.

“Kriegen die denn wirklich gar nix auf die Reihe?!?!” Der Außendienst ärgert sich wieder einmal maßlos über den Innendienst: zum xten Mal wurden die mühsam an Land gezogenen Aufträge verzögert und dann auch noch fehlerhaft bearbeitet – angeblich. – “Warum kriegen die es einfach nicht hin, sich endlich an die Vorgaben zu halten!?!?” blökt der Innendienst: der Außendienst hat sich wieder einmal nicht an die Minimalanforderungen zur Erstellung und Bearbeitung von seriösen Auftragen gehalten – angeblich.

Team

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Schlüsselqualifikationen oder  “Innere Fakten”

Was ist wichtig, damit solche Konflikte gar nicht erst ausbrechen? Die Stimmung im Team; das Vertrauensverhältnis untereinander; der Glaube an die eigene Stärke und den Erfolg; ein wertschätzender Umgang miteinander; ein klarer, konsequenter, empathischer Führungsstil – um nur einige der sog. “Inneren Fakten” zu nennen.

Keine Leistung ohne Training

Trotz der allgemeinen Anerkennung der “Inneren Fakten” nutzen viel zu wenige Unternehmen die Chance, diese Schlüsselqualifikationen gezielt und systematisch zu trainieren. “Nicht sichtbar und nicht greifbar” heißt die oft geäußerte Begründung. Im Unterschied zu den “Äußeren Fakten” wie z.B. Fachkompetenz, Auftragsvolumen, Produktanforderungen, Kosten usw. – die sind ganz klar sichtbar, messbar, steuerbar, in Excel -Tabellen darstellbar.

Fehlendes Training kostet Geld!

Wenn die Inneren Fakten so zweifelsfrei wichtig sind, dann muss man sich eben etwas einfallen lassen, um sie sichtbar – somit trainierbar und überprüfbar – zu machen! Selbstverständlich kann man z.B. Vertrauen, den Grad an Wertschätzung untereinander, Kreativität oder Innovationsbereitschaft überprüfen und trainieren. Das gleiche gilt für den Glauben an die eigene Stärke wie der des Teams und des Unternehmens. Alles wichtige Aspekte, die viel Geld kosten, wenn sie außer Acht gelassen werden.

Mit den folgenden sieben Maßnahmen können wesentliche Teamfähgkeiten entscheidend weiter verbessert werden

  1. Bestandsaufnahme - turnusmäßig sollte ein Team über die eigenen Stärken und Schwächen reflektieren – abseits vom betrieblichen Alltag: starke Teams sind reflektierende Teams
  2. Vertrauensbildende Maßnahmen – Vertrauen ist der Kern überhaupt jeglicher Kooperation
  3. Persönlichkeitsentwicklung für Führungskräfte - wer andere führen will, fängt am besten erst einmal bei sich selbst an
  4. Klarheit in der gemeinsamen Ausrichtung verschaffen – jedes Team hat und braucht seine eigene Identität, was nichts mit Gleichmacherei zu tun hat.
  5. Commitments einholen und coachen – hat die Deutsche Fußballnationalmannschaft gezeigt, wie gut so etwas funktionieren kann…
  6. Permanent für gute Stimmung sorgen – hat nix mit Feierlaune oder Hängematte zu tun, sondern mit guter Stimmung ;-)
  7. Erfolge feiern – Misserfolge als Ausgangspunkt fürs Weitermachen deklarieren

Das Team ist immer Spiegel der Team-Leitung.

An einem Grundgesetz kommt allerdings niemand vorbei: Das Team ist für den Team-Leiter immer ein Spiegel. Diese empirische Tatsache kann man je nach Situation als Ohrfeige spüren oder aber als Chance zur Veränderung nutzen.

Jede Team-Entwicklung ist ein (permanenter) Prozess

Und noch ein Grundgesetz: jede Team-Entwicklung ist ein (permanenter) Prozess. Mit ein paar Gesprächen, einem flotten Workshop oder gar einem Betriebsausflug in den Kletterpark lässt sich kein Team entwickeln. Wer so naiv ist, sollte die Finger von Team-Entwicklung lassen – vielleicht sogar von Team-Führung überhaupt.

Und ein (vorerst) letztes Wort an dieser Stelle: jedes Team ist gut beraten, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass es brenzlig wird: die Nationalmannschaft geht ja auch nicht erst dann ins Trainingslager, wenn sie keine Tore mehr schießt…

Autor: Dr. Jürgen Wonde

Dr. Jürgen Wonde ist selbständiger Personalberater und seit 20 Jahren u.a. im Bereich Teamentwicklung tätig – bislang wurden ca. 70 Teams in ihrer Teamentwicklung gecoacht.

6 Kommentare

  1. Hallo,

    ein guter Artikel mit guten Tipps. Ich erlebe es immer wieder, dass Führungskräfte glauben keine zeit für Teamentwicklung zu haben. Aus meiner Sicht ein Fehler und sozusagen ein Fehlinvestment. Die Zeit, die man in das Team investiert, wird sich letztlich x-fach auszahlen.

    Hier ist einfach Weitblick gefragt.

    Viele Grüße

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    • TAB Deutschland

      11/01/2017 @ 11:07

      Hallo Herr Behr,

      danke für Ihre Rückmeldung! Beste Grüße vom The ALternative Board Deutschland

      Antworten
  2. Mario Ludwig

    08/10/2015 @ 16:45

    Hallo Dr. Wonde,
    ich teile ihren Ansatz ohne jede Abstriche, allerdings steht und fällt der Erfolg mit der verantwortlichen Führungskraft. In den letzten Jahren ist ein Umdenken erkennbar, auch in den KMU’s, aber viel zu viele arbeiten noch mit den traditionellen Mustern. Bei Großunternehmen bleibt es meist bei gutgemeinten Überschriften.

    Viele Grüße
    M. Ludwig

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    • Dr. Jürgen Wonde

      09/10/2015 @ 16:38

      Hallo, Herr Ludwig – besten Dank fürs Feedback: Ihre Zustimmung freut mich. Und umgekehrt stimme ich selbstverständlich Ihnen zu, dass die Führungskraft einen, sogar den entscheidenden Impuls für den Erfolg liefert. Das ist (indirekt) mit dem Absatz oben “Das Team ist immer Spiegel der Team-Leitung.” gemeint. Und hier sind wir natürlich beim Thema Führung, Führungsstil, Persönlichkeit etc. Was glauben Sie, wie oft ich aus dem Munde von Führungskräften die rhetorische Stereotype gehört habe: “Ja, sind wir denn hier im Kindergarten?!” Ein gigantisches Eigentor, auf das ich i.d.R. anmerke: Sollte dies der Fall sein, stellt sich die Frage, wer diesen denn eingerichtet hat und dessen Leiter ist.
      Doch will ich hier nicht diese übliche (gewollt reißerische) Schwarzmalerei betreiben: ich kenne auch wirklich großartige Positiv-Beispiele von Führungskräften, die immer wieder neu nachdenken, immer wieder neue Impulse setzen, um sich und ihr Team weiterzubringen.

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  3. Bernhard Hofer

    04/10/2015 @ 18:31

    Sehr geehrter Herr Dr. Wonde,

    ich kann Ihnen nur voll zustimmen, dass Teamentwicklung ein permanenter Prozess ist. Aus meinen langjährigen Erfahrungen bei dem Aufbau von Teams und Unternehmen, der Zusammenführung von Unternehmen nach Übernahmen und bei der Bewältigung von Change-Prozessen im Rahmen von Restrukturierungen könnte ich Ihnen viele Beispiele nennen, bei denen es mal gut aber auch mal nicht zufriedenstellend verlaufen ist.

    Ihr Punkt, dass Teamentwicklung ein stetiger Prozess ist, scheint immer noch oft nicht erkannt zu werden. Ein Team ist ein System und Systeme sind u.a. dadurch gekennzeichnet, dass sich die Kräfteverhältnisse in dem jeweiligen System ständig verändern und selten sichtbar sind.

    Sehr wichtig ist auch der von Ihnen beschriebene Zusammenhang zwischen den verschiedenen Teams in einem Unternehmen.

    Ihr Beitrag hat mich angeregt, mich mit diesem Thema wieder intensiver zu beschäftigen.

    Bernhard Hofer

    Antworten

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