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Man kennt ihn und hasst ihn – über die Zähmung des inneren Schweinehundes

„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegen lassen, nicht die, die wir tun“. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Wir sollten mal und müssten auch unbedingt…. Aber lieber später, morgen, nächste Woche oder dann doch erst am Monatsende? Sogar selbstständige Unternehmer, die angetreten sind, eigeninitiativ und selbstverantwortlich zu handeln, erliegen immer wieder der allseits bekannten Aufschieberitis und hangeln sich bei bestimmten Aufgaben von Vorsatz zu Vorsatz. Die Frage ist, ob eine gewisse “Rechenschaftspflicht” anderen gegenüber helfen kann, um diesen Mechanismus auszuhebeln.

KW 50-2014 der innere Schweinehund - AccountabilityWir alle haben Dinge auf dem Tisch, die uns lästig sind, zu denen wir uns nur schwer überwinden können oder anstatt derer noch ganz andere, vermeintlich viel wichtigere Dinge vorgezogen werden. Sei es der überfällige Kontakt zu einem unbequemen Kunden, notwendige Akquiseanrufe, die Bearbeitung von Beschwerden oder auch die überfällige Entlassung eines Mitarbeiters. Und manchmal ist Aufschieben sogar nützlich, denn einige unangenehme Aufgaben lassen sich tatsächlich effektiv aussitzen. Der selbständige Unternehmer ist ja nur sich selbst eine Antwort schuldig, ob die Dinge abends wie geplant vom Tisch sind. Gleichzeitig entsteht Stress durch das Gefühl, die nötigen Aufgaben nicht angepackt zu haben. Dennoch ist die Kompromissbereitschaft, sich mit unerledigten Dingen zu belasten, offenbar größer, als aktiv und vor allem zügig eine Lösung für anstehende Aufgaben herbeizuführen.

Eine Umfrage in den USA hat ergeben, dass die meisten Unternehmer genau aus dem Grund der gegenseitigen “Accountability”, also der Verbindlichkeit getroffener Absprachen – einem TAB-Unternehmerboard beigetreten sind. Vor den Unternehmerkollegen im Board und auch vor dem TAB Moderator werden Entschlüsse und Vorsätze nicht nur gefasst, sondern im nächsten Boardmeeting auch konsequent gegengecheckt: was ist Ihr Commitment und was wurde von Ihnen in die Tat umgesetzt? Wo liegen die konkreten Hindernisse für nicht realisierte Vorhaben?

Aufschieben schadet dem beruflichen Erfolg, dem finanziellen Gewinn und der Stimmung erheblich.

Was nach mangelnder Selbstkontrolle oder Verantwortungslosigkeit aussieht, ist oft die Angst vor dem Scheitern und der Entwertung der eigenen Persönlichkeit. Unbequem werden, geht nun mal gegen die Natur des Menschen. Man will oder kann gewisse Aufgaben nicht delegieren, macht sie aber auch nicht selbst und sitzt sie aus. Und das Ende vom Lied ist dann die Erkenntnis des anfangs zitierten Satzes – das schlechte, aber realistische Gefühl, von allem überrollt zu werden, ist allgegenwärtig, so dass man wirklich nur noch reagieren und nicht agieren kann.

Wenn sich mein Schweinehund zu laut meldet, habe ich gute Erfahrungen mit meinem Drei- Punkte-Plan gemacht:

Punkt 1: Ehrlichkeit und Mut zur Erkenntnis

Am Anfang steht der Wille zur Selbstehrlichkeit. Wenn ich die Probleme und Ursachen meiner Aufschieberitis definieren kann, bin ich einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Warum stehe ich nicht zu 100% hinter meinem Vorhaben und aus welchen Gründen schrecke ich möglichweise vor der Aufgabe zurück? Fehlt mir Fach- oder Methodenwissen, um ein Vorhaben in die Tat umzusetzen? Wenn ja – welches? Verursacht fehlende Klarheit oder genau das Wissen über alle Konsequenzen der Entscheidung mein Unbehagen? Sehr spannend ist, wie offen in einem TAB-Unternehmerboard diese Fragen gestellt und diskutiert werden. Wer vor wohlwollend-kritischen Unternehmerkollegen in der Schlussrunde des Meetings bestimmte Schritte ankündigt, der kann dies nicht so einfach dahinsagen, weil er beim nächsten Treffen an seinen Plänen gemessen wird.

Schritt 2: Aufgaben clustern und häppchenweise bearbeiten

Für mich gibt es genau zwei Wege, ungeliebte Pflichten zu erledigen: Alternative 1 heißt schlicht und ergreifend selber machen und Alternative 2 heißt delegieren. Bei beiden Wegen liegt der Schwerpunkt eindeutig auf “loslegen” und nicht darauf, die Veränderung äußerer Umstände abzuwarten. Hier hilft es, sich vor allem auf den Start, den ersten Schritt zu fokussieren, statt das scheinbar unerreichbare Ziel in den Blick zu nehmen. Und wenn ich meine To-Dos in möglichst kleine Häppchen, also Teilziele, aufteile, die dazu noch in sehr knapp bemessenen Zeiten erledigt werden müssen, dann kann ich mich selbst immer wieder erfolgreich in die Pflicht nehmen.

Schritt 3: Rechenschaft in kurzen Abständen

Der dritte Schritt ist naheliegend und erfordert Disziplin: meine To-Do-Liste muss immer in meinem Focus bleiben. Wenn ich in möglichst kurzen Abständen – am besten täglich – Rechenschaft über den Status der anstehenden Aufgaben ablege, trainiere ich mich selbst in Verbindlichkeit und verliere meine Vorhaben nicht aus dem Blick. Und schon an diesem Punkt werden mir meine bereits erledigten Teilaufgaben als Erfolgserlebnisse bewusst, wirken positiv. Manchmal baue ich mir an dieser Stelle eine kleine Belohnung ein (ein besonders leckerer Cappuccino tut’s auch), denn das merkt sich das Gehirn gut und wird sich bei der Erledigung der nächsten unangenehmen Aufgabe daran erinnern.

Sie kennen sicher auch den berühmten Adrenalinschub, wenn die Dinge in letzter Minute erledigt werden müssen, oder? Man schafft auf einmal richtig viel und kann sich hinterher immer eindrucksvolle Geschichten über Nachtschichten oder Endlossitzungen erzählen.

Aber Hand aufs Herz: treffen diese altvertrauten Verhaltensweisen Ihre Vorstellung von selbstbestimmt arbeiten? Was sagt Ihr privates Umfeld dazu, dass Sie aufgrund plötzlich unaufschiebbbarer Dinge gemeinsame Vorhaben absagen? Haben Sie eine wirkungsvolle Strategie, um den inneren Schweinehund und damit ihr schlechtes Gewissen in die Flucht zu schlagen?


In einem TAB-Unternehmerboard investieren Unternehmer ihre Zeit, um sich in der Zusammenarbeit mit dem Moderator und Coach bei den Schritten 1-3 gegenseitig nachhaltig zu unterstützen. Wenn Sie neugierig sind, welche Effekte ein TAB-Unternehmerboard für Ihre Lebens- und Arbeitsqualität als Unternehmer haben kann, dann erfahren Sie hier mehr
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Autor: Ariane Bödecker

2 Kommentare

  1. Wieder einmal ein sehr gelungener Beitrag im Unternehmer-Blog von TAB.
    Fühle mich zum Teil “ertappt”, gleichzeitig helfen mir die konkreten Vorschläge.

    Freue mich schon jetzt auf die nächsten Beiträge.

    Manfred Mack

    Antworten
    • Ariane Bödecker

      14/12/2014 @ 18:19

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Mack! Ich bin gespannt, ob die 3 Fallen für den Schweinehund auch bei Ihnen funktionieren! Viel Erfolg!

      Antworten

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