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Buchtipp: „Was fehlt, wenn alles da ist?“ von Daniel Häni und Philip Kovce

Fragen verändern alles! Das ist das Motto, mit dem die Autoren ihr Buch zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen einleiten. Unabhängig davon, wie man zu dieser Thematik steht, liefert die Lektüre zahlreiche Denkanstöße, die bei der Gestaltung der unternehmerischen und persönlichen Zukunft hilfreich sein können.

Image courtesy of Master isolated images at FreeDigitalPhotos.net

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Fragen bringen Althergebrachtes und das Gewohnte aus dem Gleichgewicht und verleihen gleichzeitig neuen Ansätzen Gewicht. Entstanden ist das Buch im Vorfeld der in diesem Jahr in der Schweiz anstehenden Volksabstimmung zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens.

Frage 1: Was will ich eigentlich?

Eine (oder vielleicht „die“) zentrale Frage, die sich in irgendeiner Form sicher jeder von uns schon gestellt hat. Was würde ich z.B. tun, wenn für mein Einkommen gesorgt wäre? Wofür würde ich mich engagieren, wenn ich mich insofern frei entscheiden könnte?

Können Sie diese Frage mit: „Dasselbe wie jetzt – das heißt mein Unternehmen genauso weiterführen wie bisher“ beantworten? Falls nicht, wird es vielleicht Zeit, etwas zu verändern.

Frage 2: Was ist mit der Work-Life-Schizophrenie?

Das Buch führt uns vor Augen, dass die Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ein relativ junges Phänomen ist. Die Athener Bürger kannten es zum Beispiel nicht, sie hatten immer Freizeit – und Ihre Sklaven immer Arbeitszeit. Die Teilung kam erst durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Arbeitsteilung auf. Die Autoren leiten daraus folgende These ab: „Wer sich auf eine Arbeit einlässt, damit sie ihm später ein schönes Leben ermöglicht, der hat kein solches.“
Das ist mir persönlich etwas zu einfach, aber allemal bedenkenswert.

Frage 3: Was motiviert?

Wieder eine zentrale Frage, sowohl für uns selbst (Stichwort Eigenmotivation) als auch für die Mitarbeiterführung und -bindung. Und mit den Büchern über dieses Thema könnte man wohl eine ganze Bibliothek füllen…. Die Autoren widmen diesem Thema einen kurzen, aber sehr interessanten Abschnitt. Besonders spannend ist die Schilderung eines Experiments mit einem (zumindest für mich) sehr überraschenden Ausgang.

Stellen Sie sich vor, Sie sollen drei Schülergruppen motivieren, Spenden zu sammeln. Einer Gruppe versprechen Sie zehn Prozent der Spendensumme, einer Gruppe ein Prozent, der dritten Gruppe sagen Sie nur, wie wichtig Ihre Arbeit ist. Welche Gruppe wird am erfolgreichsten sein?
Wenn Sie auf die “10%-Gruppe” getippt haben, sind Sie vermutlich in guter Gesellschaft, liegen aber falsch. Die meisten Spenden sammelte die Gruppe, die keinerlei Vergütung erhielt. Ein schönes Beispiel, das vieles der Motivationsproblematik zusammenfasst: Bei der Frage, was andere motiviert, nehmen wir fast immer an, was für uns selbst -und auch für andere- gar nicht zutrifft. Das ist der Grund, warum viele rein auf monetärer Basis beruhenden betrieblichen Anreizsysteme scheitern.

Maschinen funktionieren, Menschen agieren

Dieser Abschnitt beleuchtet die Entstehung von neuen Ideen und plädiert dafür, sich dafür sowohl die nötige Muße zu nehmen („Das Fallgesetz entdeckt nicht, wer auf der Leiter steht und fleißig pflückt, sondern wer beobachtet, wie ein Apfel einer gewissen Regel gemäß nach unten fällt.“), als auch den nötigen Mut aufzubringen („Gute Ideen sind immer zu früh, zu teuer, immer zu gefährlich, immer unmöglich“. Man denke nur an die ersten Reaktionen auf das Automobil oder den Personal Computer.).

Fazit: Viele Denkansätze zu einem aktuellen Thema

Ein trotz der anspruchsvollen Thematik leicht zu lesendes Buch. Da es als Aufsatz- / Absatz-Buch konzipiert ist, auch immer mal was für zwischendurch. Es werden viele Denkansätze geboten, die in der unternehmerischen Praxis und für die persönliche Weiterentwicklung von Nutzen sein können. Der eine oder andere Aspekt lohnt sicher auch eine Diskussion in Ihrem TAB-Board. Nicht zuletzt ist auch das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ sehr spannend und vielleicht irgendwann auch einmal in Deutschland relevant. Hier liefert das Buch ein gutes Gesamtbild mit vielen Pros und Kontras, auch wenn die Autoren eindeutig Partei „pro“ ergreifen.

Kurzinfo zum Buch: Daniel Häni / Philip Kovce : Was fehlt, wenn alles da ist? © 2015 Orell Füssli Verlag AG, Zürich; ISBN 978-3-280-05992-2

Autor: Thomas Steinel

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