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Alles nur Gedöns? Über den Wirtschaftsfaktor Sinn

„Um etwas leisten zu können, muss jeder seine Tätigkeit für wichtig und gut halten“ (Leo Tolstoi)

In Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit bemängeln Arbeitnehmer immer wieder, nicht genügend Informationen über Veränderungen oder geplante Maßnahmen der Unternehmensführung zu erhalten. Worin liegt die Ursache für dieses Phänomen? Die Antwort liegt meiner Meinung nach auf der Hand: es ist die Suche nach dem “warum”, nach dem Sinn ihrer Tätigkeit, die Arbeitnehmer zu solchen Aussagen bewegen. Allein die Tatsache, dass jemand mit der Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen muss, stellt auf Dauer keine tragfähige Basis für eine erfolgreiche und gewinnbringende Leistung dar. Wenn dem so wäre und es keinen wirklich tieferen Sinn gäbe, genau in diesem Unternehmen zu arbeiten, dann wäre die Arbeit vor allem eine Belastung und der Lohn einzig und allein eine Art „Schmerzensgeld“ für diese Belastung. Die wenigsten engagieren sich freiwillig – also ohne „Schmerzensgeld“ – für eine Aufgabe, die ihnen nicht sinnvoll erscheint und die nicht ihrer eigentlichen Motivation entspricht, weil sie einfach nicht in ihr Lebensmuster, oder in ihre Lebensphase passt.

Top-Daumen vor positiver StatistikIch habe in meiner Tätigkeit als Inhaber und Geschäftsführer immer wieder festgestellt, dass plausible Erklärungen über Hintergründe unterschiedlicher Tätigkeiten für Mitarbeiter immens wichtig sind. Wenn der „Sinn“ einer Tätigkeit nachvollziehbar ist, dann braucht es nur noch die notwendigen Detailinformationen zur Umsetzung der Maßnahme, um Engagement zu erzeugen. Beziehe ich als Unternehmer also einen Mitarbeiter in der Produktion so in den Informationsfluss mit ein, dass er weiß, warum die besondere Sorgfalt bei seiner Tätigkeit dem gesamten Unternehmen nützt, dann kann damit ein Sinn für seine sonst vielleicht eher eintönige Arbeit entstehen.

Neben der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit spielen vor allem auch die grundsätzlichen Motive, warum jemand diese Tätigkeit in diesem Unternehmen tut, eine ebenso wichtige Rolle. Ein kluger Unternehmer tut gut daran, seine Mitarbeiter entsprechend seiner ganz individuellen Motivatoren einzusetzen. Daraus kann sich die Chance ergeben, auch den Sinn für eine notwendige Tätigkeit zu definieren. Aus diesem Grund ermitteln wir in unserem Unternehmen bei jedem neuen Mitarbeiter seine persönlichen Motivatoren durch eine „Insights MDI©“ – Analyse. Dies hat sich sowohl auf das Miteinander als auch auf die Leistungsbereitschaft des Einzelnen deutlich positiv ausgewirkt.

Sinn + Einsatz nach Grundmotiven = zufriedene, hochmotivierte Mitarbeiter

Nochmal zurück zu aktuellen Umfrageergebnissen: In Deutschland zählen lediglich 13 Prozent der Mitarbeiter zu der Gruppe, die hoch emotional ans Unternehmen gebunden sind. Mehr als zwei Drittel machen „Dienst nach Vorschrift“ und etwa 20 % haben innerlich bereits gekündigt. Das heißt im Klartext, dass hier ein riesiges, ungenutztes Potential für den Unternehmenserfolg einfach brach liegt. Wir wissen, dass zufriedene Mitarbeiter ihr Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen dreimal so häufig wie demotivierte Mitarbeiter weiter empfehlen. Und aus Empfehlungen können Neukunden oder Neugeschäfte generiert werden. Das heißt nichts anderes, als dass hier Erfolgspotentiale für Unternehmen einfach ignoriert werden.

Aus Unternehmenssicht kann sich doch vor diesem Hintergrund gar nicht mehr die Frage stellen, ob sich die Definition eines übergeordneten Unternehmens-Sinns – wie z.B. Nachhaltigkeit – rein wirtschaftlich überhaupt lohnt. Unternehmerische Konzepte, die sinnstiftend sind, schaffen einen tragfähigen Rahmen für die Bedeutung der Arbeit des Einzelnen.

Und genau aus diesem Grund ist Sinn eben kein Gedöns, sondern ein monetär messbarer Wirtschafts- und Erfolgsfaktor für Unternehmen.

Autor: Frank Kolbe

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