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Alle an Board – Szenen aus einem TAB-Board

Können Sie sich vorstellen was in einem TAB-Board so passiert? Wir werden immer wieder danach gefragt. Deshalb haben wir uns in einmal in einem Board umgeschaut.
Image courtesy of David Castillo Dominici at FreeDigitalPhotos.net

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Das Hannover-Board, in dem ich selber Mitglied bin, besteht seit über anderthalb Jahren. Mit dem Board-Moderator Thomas Grutzeck sind es sieben feste Teilnehmer, die sich reihum in den Unternehmen der Mitglieder treffen. Bei den Unternehmen handelt es sich um mittelständische Firmen aus der Region mit maximal 100 Mitarbeitern. Am Anfang jedes Board-Meetings erläutert Grutzeck immer noch einmal die „Spielregeln“: absolute Vertraulichkeit, (Rede)-Zeit einhalten, Handys aus!

Dann geht es los:

Peter W. ist Besitzer eines Werkzeugmaschinenwerkes in der Nähe von Bad Münder, 18 Mitarbeiter, acht Maschinen. „Meine Prokuristin und Exfrau hat sich anfangs sehr kritisch über unsere Boardmeetings geäußert. Da würden wir doch nur rumquatschen. Seit ich auf Ratschläge der Boardmitglieder einige Neuerungen eingeführt habe, sieht sie das aber ganz anders.“ Zuletzt hat Peter W. im Board die Einführung eines Softwaresystems zur Qualitätskontrolle durchgespielt.

Martin B. ist Geschäftsführer eines Unternehmens aus Hannover-Laatzen, das sich auf das Verlegen von Rohrsystemen spezialisiert hat. Im Board hat er intensiv die Einführung eines Bonussystems diskutiert und den Schritt schließlich auch mit Unterstützung durch Thomas Grutzeck in mehreren Coachings gewagt. Außerdem hatte er einen Mitarbeiter mit massiven Alkoholproblemen in der Firma, der ein Spezialfahrzeug bedient. Er hatte schon alles Mögliche versucht: Ansprache, Therapie, Abmahnung. Alle Boardmitglieder rieten ihm, sich von dem Mitarbeiter zu trennen, aber zunächst wollte er diesen Schritt nicht gehen. „Letztlich bin ich froh, dass ich den Ratschlägen gefolgt bin. Auch wenn ich jetzt selber wieder auf den Bock muss.“ Vor kurzem hat er einen Ersatz gefunden.

Marco W. schätzt am Board am meisten den Austausch:“Als Unternehmenslenker vereinsamt man schnell und trifft manchmal Entscheidungen, von denen man nicht so genau weiß, was sie wirklich taugen.“ Marco W. hat ein Fitnessstudio in Celle mit etwa fünfzehn Mitarbeitern. Aus dem Board hat er wertvolle Tipps für die Öffentlichkeitsarbeit seines Unternehmens mitgenommen und auf Anraten des Boards eine zweite Führungsebene installiert. Dazu hat er gemeinsam mit Thomas Grutzeck DISG-Profile einiger Kandidaten erstellen lassen (DISG ist ein Modell zur Analyse menschlichen Kommunikationsverhaltens und dahinterliegender persönlicher Motivatoren).

Jan S. ist der einzige angestellte Geschäftsführer im Board. Das bringt spezielle Probleme mit sich. Der promovierte Mediziner und Leiter eines Biotech-Instituts aus der Region Hannover steht immer mal wieder zwischen den drei Gesellschaftern seines Unternehmens. „Da tut es gut, wenn man das dem Board einfach erzählen kann, denn da kann ich mich drauf verlassen, dass alles geheim bleibt.“ Schließlich ist Verschwiegenheit oberstes Gebot im TAB-Board und da hält sich jeder dran. Thomas Grutzeck erzählt immer gerne die Geschichte aus einem amerikanischen Board, in dem eine Unternehmerin sogar ihre Scheidung mit den Board-Kollegen strategisch vorbereitet hat – bevor ihr Mann überhaupt davon erfuhr!

Auch Hendrik H. hat mit dem Board eine wichtige strategische Entscheidung vorbereitet. Der Chef eines Call-Centers aus Langenhagen mit knapp 100 Mitarbeitern stand vor dem Problem, sein Unternehmen von der Größe her zu verdoppeln oder auf ein Drittel zu reduzieren und dabei aber zu spezialisieren. Er entschied sich für letzteres.

Oliver P. ist einer der Gesellschafter eines Unternehmens für Windenergieanlagen in Neustadt. „Für mich ist der Austausch und die unvoreingenommene Sichtweise der Kollegen am wichtigsten. Ich teste im Board gerne mal eine neue Broschüre oder spreche eine Akquiseidee durch. Aber ganz wichtig war mir auch der Rat des Boards, mein Privatleben ernster zu nehmen und beispielsweise mal mittags einfach nach Hause zum Essen zu gehen.“

Ich selber schätze es sehr, dass man im Board auch mal die ganz harten Themen ansprechen kann, die man ansonsten kaum mit jemandem diskutieren mag. Und dass auch mal Privates ausgesprochen werden kann. Einer meiner besten Freunde wurde eines Verbrechens überführt. Mich traf es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Natürlich kann mir das Board dabei nicht helfen, aber alleine, dass mir Boardmitglied Jan S. die Problematik einer gespaltenen Persönlichkeit erklärte, beruhigte mich schon. Als einer der beiden Geschäftsführer einer kleinen hannoverschen Werbeagentur habe ich auch schon ganz deutlichen materiellen Nutzen aus dem Board gezogen: Martin B. wies mich darauf hin, dass wir eine viel zu teure Vermögensschadenhaftpflicht haben. Auf seinen Rat ließen wir alle Versicherungen überprüfen und sparen jetzt 800 Euro im Jahr. Und als in einem Test das gesamte Board die Angebote unserer Agentur viel zu kompliziert fand, stellten wir unsere Angebote um und vereinfachten sie. Der Kunde dankt es.

Und Thomas Grutzeck, der Moderator des Hannover-Boards? Er meint. „Das ist schon ein beispielhaftes Board, aus dem ich selbst als Moderator viele Anregungen ziehe. In dieser Gruppe muss ich nicht viel eingreifen, vielleicht mal auf die Zeit hinweisen, wenn die Diskussion wieder sehr leidenschaftlich abläuft.“ Das muss auch sein, denn so ein Boardmeeting beginnt um 8:30 und sollte gegen 12:30 Uhr beendet sein. „Diese knapp vier Stunden gehen immer vorbei wie im Fluge.“

Autor: Thorsten Windus-Dörr, Eins A Kommunikation, Hannover

Um die Vertraulichkeit des Boards zu wahren, sind die Personen anonymisiert.

1 Kommentar

  1. Christopher M. Cooper

    30/01/2015 @ 15:40

    Guten Tag Herr Windus-Dörr – so bunt wie wir es immer wieder erleben, so bunt ist auch Ihre Schilderung! Macht Spaß zu lesen. Und zeigt auf, wie wirksam die gegenseitige Unterstützung im TAB-Board bei der Lösung nicht immer einfacher Fragestellungen ist. Danke! CMC

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